Vorschau: Mittelamerika [iz3w 320]
Mittelamerika ist nicht nur ein Spiegel für regionale und globale Veränderungsprozesse, sondern spätestens seit den siebziger Jahren auch die Projektionsfläche für die Hoffnungen einer internationalistischen Linken. Doch die aktuelle Lebensrealität in Mittelamerika ist noch nicht umfassend von einer sozialrevolutionären Aufbruchstimmung geprägt: Die, durch eine neoliberale Politik verstärkte, strukturelle Armut hat ganze Bevölkerungsgruppen in Bewegung gesetzt. So leben beispielsweise viele Menschen aus ärmeren Staaten wie Nicaragua oder Honduras als ArbeitsmigrantInnen in Costa Rica, Mexiko oder den USA, mit erheblichen Auswirkungen auf die soziokulturellen Strukturen in den Herkunftsländern. Hinzu kommen massive Probleme mit Gewalt und Kriminalität durch Gangs (den sog. Maras) vor allem in Guatemala, El Salvador und Honduras. Banden- und Drogenkriminalität sowie Menschen- bzw. Waffenschmuggel werden als Vorwand genommen, die Armee von den Kasernen auf die Straße zu holen und Polizeieinheiten mit quasi-militärischen Aufgaben zu betrauen. Auch durch mediale Vermittlung und der Forcierung des Sicherheitsdiskurses wird so in den meisten Ländern ein Klima erzeugt, in dem es legitim erscheint, Grundrechte abzubauen, sozialen Protest zu kriminalisieren und gewaltsam niederzuschlagen sowie ohnehin exkludierte Gruppen wie (Transit)MigrantInnen und Jugendbanden diskursiv zu stigmatisieren/ diskriminieren und praktisch brutal gegen diese vorzugehen. Weitere wichtige strukturelle Entwicklungen sind die neoliberalen Infrastrukturprogramme wie der PPP oder die Freihandelsabkommen, die zu einer Zunahme von sozialem Protest und Mobilisierungen geführt haben. Zentralamerika ist auch Heimat für artenreiche Tropenwälder, die seit Jahren Ziel des internationalen Naturschutzes sind und besonders im Zuge der Klimadebatte neues Interesse auf sich ziehen. Welche sozialen Verwerfungen ein zentralstaatlich verordneter – und von internationalen Gebern unterstützter - Naturschutz in dem von ungeklärten Landkonflikten geprägten Subkontinent nach sich ziehen kann, ist ebenso Thema des kommenden Themenschwerpunktes.